Mellen - ein Dorf im Sauerland

Christian „Maler“ Becker regiert Mellens Schützenschar

WP vom 05.08.2019 von Jürgen Overkott

Nach fast zwei Stunden stand am Montagmorgen Mellens neuer Schützenkönig fest. Christian „Maler“ Becker schoss den Vogel ab.

Er wollte es, und er kriegte es. Doch der Weg dahin war quälend lang. Christian „Maler“ Becker (51) ist Mellens neuer Schützenkönig. Um 11.58 Uhr holte er die kümmerlichen Reste des Fichten-Adlers von der Stange - mit Schuss 189.

Zuletzt gab’s kluge Ratschläge, und „Maler“ wusste nicht genau, ob ihn die Schlaumeier anfeuern oder nerven wollten. Immer wieder lud Schießmeister Jörg Bösterling aus Volkringhausen nach, immer wieder zielte „Maler“ mit soliden Brenneke-Patronen auf den hölzernen Flattermann. Es splitterte, es krachte, und immer wieder fielen Teile. Doch der Adler blieb beinahe boshaft oben – als wollte er sich über den tapferen Schützen lustig machen, der nicht mal Mitglied bei der Mellener Schützenbruderschaft St. Hubertus ist. Beinahe hätten die übrigen Schützenbrüder sogar geglaubt, als „Maler“ kokettiert hatte: „Ich bin kein guter Schütze.“

Das Gegenteil war der Fall. Der Vogel wurde binnen zwei Stunden regelrecht performiert. Am Ende baumelte nur noch ein kläglicher Rest zerfetzten Holzes im Kasten. Aber er blieb hängen.

Woran lag’s? „Maler“ hatte es zunächst mit handelsüblich schäumendem Zielwasser in ausreichender Menge versucht – vergeblich. Schließlich bewies der Dirigent des Balver Musikvereins, Christoph Goeke, dass mehr drauf hat als Harmonie nach Noten. Kurz vor zwölf kam er mit einer Glasflasche zum Schießstand. Sie muss einen Zaubertrank enthalten haben. Denn gleich „Malers“ nächster Schuss beendete den Wettbewerb, der zuletzt keiner war. Nils Vedder schoss aus Sympathie mit. Der frühere König hatte aber schon früh klar gemacht, dass er keine erneute Amtszeit anstrebe: „Dann kriege ich die rote Karte – aber nicht von meinen Schützenbrüdern.“ Nils Vedder schoss dennoch weiter mit. „Wenn die Flügel gefallen sind“, hatte er als Marschrichtung ausgegeben, „bin ich raus.“ Er sollte Wort halten.

Vikar Kiene weiß, wo es hingeht

Präses Vikar Tobias Kiene hatte ebenfalls Wort gehalten. Auf die Frage, ob Pfarrer Andreas Schulte als Schützenkönig folgen wolle, beantwortete er so gut gelaunt wie klipp und klar mit „Nein“. Tatsächlich gönnte er sich einen Ehrenschuss. Alles andere wäre auch nicht clever gewesen. Immerhin steht Vikar Kiene eine Wechsel bevor. „Ich weiß schon, wo es hingeht“, sagte er der „Westfalenpost“, „ich darf es aber noch nicht sagen, weil noch nicht alle Seiten zugestimmt haben.“

Das Schießen hatte um 10.10 Uhr bei leichtem Regen begonnen. Adjudant Daniel Schulze Tertilt, auch er einst König, freute sich darüber: „Im vergangenen Jahr war es so heiß, dass wir die Wiese vorm Schießen anfeuchten mussten, um zu verhindern, dass möglicherweise ein Feuer entsteht.“ Am Montagmorgen indes bestand keine Gefahr.

Feuer und Flamme waren einzig die Schützen, die auf das goldene Biest auf Vedder-Stutes Wiese anlegen. Oliver Reck sicherte sich schnell Schützen-Obst: den Apfel des Adlers. Vorsitzender Markus Blöink sicherte sich den Kopf des Tieres. Nils Vedder schoss dem Raubvogel den rechten Flügel herunter, „Maler“, der spätere König, den linken Flügel. Später, sehr viel später lag der Rest des stolzen Tieres auf der Weide. König „Maler“ blieb cool. Er sah um zwölf Uhr auf die Uhr und sagte: „Bis 12.30 Uhr hätte ich noch Zeit gehabt.“

 

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